G’day aus Melbourne!

So, nach zwei Tagen der Ruhe, an denen wir uns vom Jetlag erholt haben – hätte nie gedacht, dass ich auch mal darunter leiden werde… boah, bin ich kaputt! – habe ich endlich mal das Netbook ausgepackt, um ein bisschen zu berichten.

Nachdem uns Dad, Tina, Günther, Tim, Linh, Torsten, Jördes und Monika standesgemäß am Frankfurter Flughafen verabschiedet hatten (vielen Dank nochmal!), stand uns das bevor, was viele Europäer wohl von einem Besuch in Australien abhält: der Flug.

Frankfurt – Singapur: 13 Std.
Singapur – Melbourne: 6,5 Std. (nach 2 Std. Aufenthalt)

Wenn man diesen Flug das dritte Mal angeht, erscheint er irgendwie nicht mehr so lang. Nachdem ich die beiden ersten Male mit Emirates geflogen bin, haben wir uns dieses Mal für Qantas entschieden, da diese über die IOM Flüge für Migranten anbieten, bei denen man pro Person 40 kg + 7 kg Handgepäck mitnehmen kann. Wenn man sich entscheidet, ein neues Leben in Australien zu beginnen, dann machen sich die 20 kg plus pro Person doch bemerkbar. Wir haben die insgesamt 80 kg aber gar nicht vollkommen ausgereizt – wir lagen, glaube ich, bei rd. 74 kg, hatten also sogar noch Luft für den Notfall. Immerhin hatten wir das meiste ja zuvor bereits per DHL verschickt. Ein bisschen Bammel hatte ich ja noch davor, dass mein Handgepäck zu schwer sein könnte – aber im Gegensatz zum Flughafen in Melbourne, wo die tatsächlich vor dem Abflug das Handgepäck wiegen, hat das in Frankfurt nicht wirklich jemanden interessiert. Hab’ ich mir wohl mal wieder zu vielen Sorgen gemacht. Wahrscheinlich muss man öfter fliegen, um bei sowas eine Routine zu entwickeln – an dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Schwester, die diese Routine schon lange besitzt.

Der Flug selber war beide Male sehr “smooth” – wir hatten nur sehr selten Turbulenzen, und auch daran hat man sich schon ein bisschen gewöhnt. Auch die Plätze waren in Ordnung: in der Maschine nach Singapur saßen wir im hinteren Teil der Maschine auf einem Zweierplatz am Fenster, auf dem Weiterflug dann in der Mitte der Maschine auf einem Dreierplatz am Fenster, wo wir die Bekanntschaft einer Belgierin gemacht haben, die in Australien für Volvo Geschäfte tätigt. An dieser Stelle muss ich meiner Schwester Tina leider mitteilen, dass das genau die Sitze waren, die wir auch zuvor bei der IOM reserviert hatten – die Umbuchung hat leider nicht geklappt, aber trotzdem danke für den Versuch.

Ich hätte nie gedacht, dass ich es in der Holzklasse jemals wieder schaffen würde zu schlafen – meine Schwester hatte uns ja das letzte Mal mit Emirates von Dubai nach Hamburg in die Business Class befördert, und wenn man einmal den Vorteil von vollkommen ausgestreckten Beinen im Flugzeug genossen hat, dann möchte man ungerne wieder “downgraden”.

Eigentlich wollte ich die komplette Flugzeit dazu nutzen, die neuesten Filme anzuschauen, aber all, was ich geschafft habe, waren gerade einmal drei Stück: 1. “How Bruce Lee Changed The World”, 2. “Dinner For Schmucks” und 3. “The Disappearance Of Alice Creed” – 1. super, aber nix Neues, 2. so so, 3. ganz OK. Den Rest habe ich wohl tatsächlich geschlafen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, irgend etwas anderes getan zu haben.

Das Essen auf dem Flug war OK. Nach Singapur gab es als Lunch Rinderroulade mit Rotkohl und Karoffeln, auf dem Weiterflug dann Chicken Singaporean Style – auch ganz OK. Ich muss zugeben, dass ich die heiße Cadbury Schokolade mit Marshmellow ganz nett fand – d.h. auf dem ersten Flugabschnitt… auf dem zweiten war das leider nur heißes Wasser, das nach Schokolade aussah.

Am Flughafen angekommen, waren meine zwei größten Sorgen eigentlich nur die, ob meine Gitarren heile geblieben waren (was sie waren) und der berüchtigte australische Zoll – aber auch die Sorgen wegen letzterem waren unbegründet. Als Migrant hat man den Vorteil, dass die “arrival documents” wesentlich einfacher auszufüllen sind (einfach nur “A. Permanently migrating to Australia” ankreuzen). Zudem kann man sich nun in der Schlange für “Australian citizens and family” einreihen. Die beiden letzten Male war ich ja normaler Tourist und musste mit meinem Gepäck durch die Durchleuchtung. Dieses Mal habe ich ordnungsgemäß meine beiden Gitarren und die Schuhe angegeben und war nach einer Minute fertig.

Die Australier machen das irgendwie schon richtig: obwohl man sich gar nicht zu fürchten bräuchte, weil man ja nichts mit sich führt, was zu deklarieren wäre bzw. eh alles deklariert, was zu deklarieren wäre – sprich: man sich sowieso korrekt verhält, hat man trotzdem jedes Mal ein flaues Gefühl im Magen. Die Belgierin neben uns auf dem Flug von Singapur hat uns erzählt, in Belgien hätten sie diese “Border Patrol” Sendung, in der sie zeigen, wie streng doch die Australier beim Zoll wären. Dazu kommt dann noch die Ansage im Flugzeug, dass es bei einem Vergehen hohe Strafen gäbe. Da steht man dann jedes Mal vor den Beamten und zittert ein wenig. Aber dieses Mal waren sie wirklich sehr nett – naja, man muss sich halt damit abfinden, dass die Personen, die Deinen Ausweis kontrollieren, wohl nie lächeln werden. Aber das gilt auch für Frankfurt. Irgendwie fühlt man sich doch seit 9/11 jedes Mal wie ein potentieller Terrorist behandelt… unschön.

Nachdem wir von meiner Schwiegermutter und meinen beiden Schwagern herzlich empfangen wurden, habe ich dann in Templestowe erstmal das Wetter bei einem Spaziergang genossen: blauer Himmel und Sonnenschein, Frühling auf dem Weg in den Sommer – so macht das Leben Spaß. Im Laufe des Tages waren es dann 23 Grad.

Heute ebenfalls. Für kommenden Mittwoch haben sie hier in Melbourne 34 Grad angekündigt. Oh my, das ist dann schon fast ein bisschen zu warm. Also haben wir heute mal fix ein paar Shorts gekauft.

Irgendwie leide ich noch immer ein bisschen unter dem Jetlag, habe heute von 17.00 bis 20.30 Uhr eine Siesta eingelegt – wobei man aber berücksichtigen muss, dass ich bereits um 9.00 Uhr aufgestanden bin – was für ein Fortschritt!

Ab morgen gehen dann erstmal die Formalitäten los. Auf der Liste der australischen Behörde für Immigraion stehen 7 Dinge, die Migranten als erstes erledigen sollten:

  1. Steuernummer besorgen (Tax File Number = TFN),
  2. bei Medicare anmelden (allgemeine Krankenversicherung),
  3. ein Bankkono einrichten,
  4. bei Centrelink anmelden (wohl sowas Ähnliches wie die Agentur für Arbeit),
  5. sich für Englischkurse anmelden (entfällt),
  6. Kinder in der Schule anmelden (entfällt) und
  7. den australischen Führerschein beantragen.

Für den letzteren habe ich mir extra den internationalen Führerschein besorgt. Dummerweise muss man dazu erst einmal den “rosa Lappen” in einen EU-Führerschein wandeln, was zusätzlich kostet.

Die Jobsuche steht ebenfalls auf dem Programm. Da entweder Suzan oder ich aus Versehen meine letzte gute Anzughose in den Sack für die Altkleidersammlung gegeben haben, sollte ich mir auch noch einen Anzug besorgen.

Ich hoffe, unsere 22 Pakete kommen bald an. :-)

Übrigens habe ich es erst heute geschafft, die ersten Folgen der “Big Bang Theory” zu schauen – und obwohl ich mich mit Fug und Recht dagegen wehre, selber als Geek angesehen zu werden, hatte Fabian Recht: I really like it! An dieser Stelle einen lieben Gruß. Was macht das Biken?

So, dann werde ich auch so langsam mal in’s Bett verschwinden… oder vielleicht doch noch eine Folge “Big Bang Theory”?

Gute Nacht aus Melbourne!

Permalink
  • Harald Bode

    Hallo Marco,

    habe Deinen Bericht gelesen, sehr interessant. Freue mich das Ihr so gut hingekommen seid.
    Viel Erfolg beim Abhacken Deiner Erledigungen und besonders eine glückliche Jobsuche.
    Wünsche euch das Ihr euch gut einlebt.

    Viele Grüße aus dem nassen kalten Hannover

    Harald Bode

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